Der Tippfehler-Teufel

Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten.

Warum nur ist es so schwer, Fehler in eigenen Texten zu erkennen? Da hat man einen Text gefühlte 100-mal überarbeitet und kontrolliert. Und trotzdem – fällt der Blick nach Tagen, Wochen, Monaten oder sogar Jahren doch wieder auf einen peinlichen Fehler. Muss das sein?

Ja. In selbst geschriebenen – noch schlimmer – in selbst erdachten Texten machen wir Fehler, die wir bei anderen sofort ankreiden würden.

Im Zuge der Ausbildung von Bürokauffrauen habe ich einmal recherchiert, warum das so ist. Dafür gibt es hauptsächlich psychologische Gründe.

Es gelingt uns nicht, den Prozess des Aufschreibens vom Inhalt zu trennen. Unsere Aufmerksamkeit ist gefesselt davon. Wenn der Inhalt erst einmal aufgeschrieben da steht, ist er uns heilig. Versucht doch einmal einen eigenen Text Wort für Wort zu lesen, ohne Bilder vor Augen. Also ich kann das nicht.

Und es ist noch komplizierter. Die Fehlerhäufigkeit steigt mit zunehmender Automatisierung im Schreibprozess. Mit der Schreibmaschine macht man schon mehr Fehler, als handschriftlich. Mit dem Computer kommt es sogar zu einem sprunghaften Anstieg. Auch hier liegen die Ursachen in der menschlichen Psyche.

Es gilt, je besser die Korrekturmöglichkeiten, desto mehr Fehler werden gemacht. Selbst bei der Schreibmaschine gibt es schon Tippex … und jetzt, wo selbstlernende Rechtschreibprogramme schon während des Schreibens unsere Texte verschlimmbessern, müssen wir ja eigentlich gar nicht mehr darüber nachdenken oder? Der Mensch ist halt bequem. Und es muss ja auch immer alles schnell gehen …

Hinzu kommt, Text, der sauber ausgerichtet auf dem Bildschirm steht, sieht per se schon mal korrekt aus, da kann der größte Mist drin stehen. Es gibt ja den berühmten Text, wo in den Wörtern nur der erste und der letzte Buchstabe an der richtigen Stelle steht (siehe unten) – trotzdem kann man ihn erlesen. Das zeigt, wie elastisch unser „verstehendes Lesen“ ist. Erst recht bei unseren eigenen Texten.

Was kann man also dagegen tun? Ein paar Tricks gibt es schon.

Vorab mal eine elektronische Rechtschreibkontrolle drüber laufen lassen ist nichts Verwerfliches. Immerhin wird man gezwungen, einzelne Wörter noch einmal genau anzusehen und man wird auf den einen oder anderen Tippfehler aufmerksam gemacht. Es bleiben noch die Fehler übrig, die für die Maschine keine sind.

In den meisten Textprogrammen kann man automatische Ersetzungen eingeben, wenn man bestimmte Fehler immer wieder macht. Mein Programm muss z.B. „sit“ immer automatisch in „ist“ korrigieren. Oder ich bemühe die Suchfunktion, um z.B. nach „Anlege“ zu suchen – einer meiner häufigsten Verschreiber – weiß der Fuchs, warum meine Finger dort immer „e“ statt „a“ tippen.

Wenn man die Gelegenheit hat, sollte man natürlich grundsätzlich von anderen Korrektur lesen lassen. Am besten geeignet sind Leute, die von dem Inhalt überhaupt keine Ahnung haben. Das klappt bei Fachtexten ganz gut. Bei literarischen Texten ist das natürlich auch wieder schwierig. Da erliegen auch diese Leser sicherlich ganz schnell dem Inhalt.

Wenn das nicht möglich ist, lest euren Text einmal von hinten. Zwar kann man dann keine Grammatik-, Satzbau- oder stilistischen Fehler finden, aber man ist gezwungen, jedes Wort im Einzelnen zu betrachten. Das hilft. Ich habe da schon so manches „richtige“ Wort gefunden, was aber dort absolut nichts zu suchen hatte.

Richtig fein raus ist man, wenn man einen guten Lektor hat, glaube ich. Erfahrungen habe ich damit allerdings noch keine.

Wie bekämpft ihr den Fehlerteufel? Kennt ihr eure Fehler?

(Und wie viele Fehler sind in diesem Text wohl drin? Ich habe schon wieder nur flüchtig Korrektur gelesen …)

© Birgit Luckwaldt

Und könnt ihr den folgenden Text lesen?

Es sit eagl in wcheler rhnfgeeloie die bstuchbaen in eniem wrot snid. das eniizg whictgie ist, dsas der etrse und der lztete bstuchbae am rtigeichn paltz snid. der rset knan tatol deiuranchnedr sien und man knan es ienrmomch onhe porbelm lseen. das legit daarn, dsas wir nhcit jeedn bstuchbaen aeilln lseen, srednon das wrot als gzanes.

Quelle dieses Fehlertextes:
http://www.akrue.privat.t-online.de/dumm61.htm

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